Wie fängt man am besten so eine Geschichte an? Mit: Es war einmal ein Schmetterling? Aber das wäre nicht richtig, denn er war noch eine Puppe zu Beginn unserer Geschichte. Also beginnen wir so:
Am 23. Dezember holte sich die Familie einen schönen Tannenbaum in die gute Stube. Der Baum wurde mit Weihnachtskugeln, Lametta, kleineren Figürchen und Kerzen geschmückt. Natürlich durfte auch nicht die schöne Spitze fehlen. Und als alles fertig geschmückt war, stand die Familie staunend und glücklich vor ihrem wunderbaren Weihnachtsbaum.
Nach
den Weihnachtsfeiertagen – es kann schon Neujahr gewesen sein –
saß plötzlich ein Schmetterling im noch immer wunderbar
geschmückten Weihnachtsbaum. Es war ein Kohl-Weißling, der
flatternd bald die Deckenlampe auf der Suche nach Sonnenlicht
umkreiste. Er hatte als Puppe den Winter am Tannenbaum geheftet
überstehen und im Frühling schlüpfen und als wunderschöner
Schmetterling mit vielen anderen Schmetterlingen den Frühling und
Frühsommer genießen wollen. Aber nun, geweckt durch die Wärme im
Wohnzimmer, war er einige Monate zu früh auf die Welt gekommen. Er
flatterte ziellos mal hier und mal dort hin.

Die Familie konnte ihn nicht nach draußen lassen, denn dort gab es keine richtig wärmenden Sonnenstrahlen und keine Blumen, keine Nahrung, nur Kälte und kahle Bäume. Und drinnen konnte er auf Dauer auch nicht leben. Der arme, einsame Kohl-Weißling!
Und unser Schmetterling erkannte voller Gram, dass er der einzige seiner Art auf der ganzen weiten Welt war und schloß seine Augen schließlich einsam und allein an einem Blumentopf sitzend für immer.
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